Wiesental: Kulturgeschichte und Landschaft entdecken
File:Wiesental (Waghäusel), Marienkapelle (02).jpg
Foto: Subbass1 via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Wiesental ist ein Ortsteil mit klar erkennbarem historischem Profil und einer besonderen Siedlungsgeschichte. Der Ortsteil wurde 1297 gegründet. Ursprünglich gilt Wiesental als straßenförmige Siedlung; später entwickelte es sich zu einer Kreuzform. Zugleich liegt Wiesental auf der Rheinniederterrasse westlich der Wagbachniederung. Für Sie entsteht damit ein Ortsbild, in dem Landschaftsbezug und lange Geschichte eng zusammengehören.
Historische Bezüge in Wiesental
Zur Geschichte des Ortes gehört auch der 20. und 21. Juni 1849: Bei Wiesental und Waghäusel fanden an diesen Tagen entscheidende Gefechte zwischen badischen Revolutionstruppen und preußischen Soldaten statt. Wer sich für die politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts interessiert, findet in diesem historischen Bezug einen eigenständigen Schwerpunkt der Beschäftigung mit Wiesental.
Römisches Erbe am Wagbachkastell
Besonders anschaulich wird die römische Vergangenheit am Wagbachkastell bei Wiesental. Es ist ein bedeutendes Kulturdenkmal auf der Gemarkung Waghäusel. Das ehemals rechteckige Kastell war etwa 2.400 Quadratmeter groß; die Wallkrone maß 46 mal 53 Meter. Entstanden ist die Anlage unter Kaiser Vespasian in den Jahren 69–79 n. Chr.; wahrscheinlich wurde sie unter Kaiser Trajan in den Jahren 98–117 n. Chr. aufgegeben.
Heimatmuseum mit regionalen Themen
Eine weitere Perspektive eröffnet das Heimatmuseum im ehemaligen Wiesentaler Rathaus. Dort präsentiert es verschiedene römische Fundstücke sowie ein anhand archäologischer Erkenntnisse erstelltes Modell des Wagbachkastells. Das Heimatmuseum Wiesental widmet seine Ausstellungsschwerpunkte außerdem der regionalen Geschichte der Römerzeit, der Badischen Revolution von 1948/49 sowie dem für die Gegend typischen Erwerbsanbau von Tabak und der Zigarrenfertigung. So verbindet sich die römische Vergangenheit mit jüngeren politischen, landwirtschaftlichen und handwerklichen Themen der Region.
Kirche und Erinnerungskultur
Auch Kirchenbau und Erinnerungskultur gehören zu den historischen Themen Wiesentals. Die großherzogliche Regierung genehmigte 1843 offiziell den Neubau der St.-Jodokus-Kirche; anschließend begannen die Bauarbeiten. Auf dem Wiesentaler Friedhof wurde am Volkstrauertag 1985 das Mahnmal „Die große Nachdenkende“ enthüllt. Die 2,70 Meter hohe, trauernde Frauenfigur aus weißem Carrara-Marmor erinnert auch an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) und wurde vom Speyerer Bildhauer Franz W. Müller-Steinfurth geschaffen. Wenn Sie bei einem Aufenthalt historische Orte und Denkmäler thematisch verbinden möchten, bietet Wiesental dafür mehrere klar unterscheidbare Anknüpfungspunkte.
Denkmäler mit verschiedenen Zeitbezügen
Das Denkmal für die Wiesentaler Gefallenen der Kriege 1870/71 und 1914–1918 wurde vom Karlsruher Bildhauer Karl Seckinger (1897–1978) geschaffen, 1929 auf dem alten Friedhof aufgestellt und steht seit 1992 am heutigen Standort. Im Ersten Weltkrieg wurden insgesamt 143 Wiesentaler getötet oder vermisst. Zusammen mit der „Großen Nachdenkenden“ macht dieses Denkmal die unterschiedlichen zeitlichen Bezüge der Wiesentaler Erinnerungskultur sichtbar.
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