Wiesloch: Geschichte zwischen Dörndl und Stadt-Apotheke
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Wiesloch lädt dazu ein, Geschichte in sehr unterschiedlichen Spuren zu entdecken: Ein mittelalterlicher Wehrturm beherbergt das Städtische Museum, Kirchen zeigen verschiedene Bauformen, und die Stadt-Apotheke erinnert an Bertha Benz’ Fahrt von 1888. Mit den Weinbergen im Südwesten kommt eine Möglichkeit zum Wandern hinzu. Für Ihre Reiseplanung können Sie so abwägen, ob Kultur und Baugeschichte oder Zeit im Freien im Vordergrund stehen sollen.
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Foto: Uncredited and unidentified drafter/contractor to Thonwaaren-Industrie Wiesloch AG via Source, Public domain
Geschichte in mehreren Zeitschichten
Das Städtische Museum Wiesloch ist im mittelalterlichen Wehrturm Dörndl untergebracht. Ein Schwerpunkt des Museums ist der Bergbau in Wiesloch, der von der keltischen Zeit bis in die 1950er-Jahre betrieben wurde. Gegenüber dem Dörndl befindet sich im Graben vor einem Abschnitt der mittelalterlichen Stadtmauer ein gut erhaltener römischer Steinkeller: Hier begegnen Ihnen römische und mittelalterliche Spuren an einem konkret benannten Ort.
Zu den Resten der ehemaligen Wieslocher Königsburg gehören ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert und Teile des Palas. Der Freihof ist das älteste erhaltene Wohngebäude in Wiesloch; sein Hauptgebäude gehört zu einem befestigten Adelshof der Familie von Sickingen aus dem 14. Jahrhundert. Auch der Wehrturm Sauermillichhaffe und angrenzende Abschnitte der erhaltenen Stadtmauer stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die verschiedenen Bauzeugnisse machen deutlich, dass sich Wieslochs Geschichte nicht auf ein einzelnes Gebäude beschränkt.
Romanik und spätbarocke Ausstattung
Die evangelische Stadtkirche Wiesloch wurde im 11. Jahrhundert als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika erbaut. Ihre erhaltenen Turmmauern gelten als die des ältesten Kirchturms in Nordbaden; ein Bodenfenster im Kirchenschiff gibt Einblick in die Baugeschichte. Sankt Laurentius setzt einen anderen architektonischen Akzent: Die Kirche wurde von 1745 bis 1750 erbaut und besitzt eine sehr üppige spätbarocke Ausstattung. Den Hochaltar schuf Johann Anwander. Der Vergleich der beiden Kirchen führt von der romanischen Bauform zu einer reich ausgestatteten Kirche des 18. Jahrhunderts.
Bertha Benz und die Wieslocher Stadt-Apotheke
Am 5. August 1888 versorgte der Wieslocher Apotheker Ockel den Patent-Motorwagen von Bertha Benz und ihren Söhnen auf der Fahrt von Mannheim nach Pforzheim mit etwa drei Litern Ligroin. Dadurch wurde die Wieslocher Stadt-Apotheke als „1. Tankstelle der Welt“ bekannt. Das Museum Stadt-Apotheke Wiesloch bewahrt eine einzigartige Apothekeneinrichtung aus dem Jahr 1858 und bietet damit einen eigenen Zugang zur Geschichte der Apotheke. Flexible Reservierungen sind nach Absprache möglich; die Kosten richten sich nach dem Aufwand. Klären Sie die Vereinbarung vor dem Besuch direkt ab.
Stadtzeichen und Erinnerungsorte
Auch Tafeln und bauliche Markierungen erzählen von der früheren Stadt. Das Untere Tor war einer der Eingänge zur mittelalterlichen, mit einer Stadtmauer befestigten Stadt; heute erinnert eine Tafel an seinen früheren Standort. Am Oberen Tor weisen eine Tafel und farblich hervorgehobene Fundamente im Pflaster der Fußgängerzone auf den früheren Torturm hin. Eine Gedenktafel in der Synagogengasse erinnert an die jüdische Gemeinde und symbolisiert den Versuch der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Weitere Einzelheiten ergänzen dieses Bild: Das Alte Rathaus wurde 1713 neu aufgebaut. Ein Torbogen mit Schlussstein von 1746 markiert den früheren Eingang zur Pferdewechselstation der fürstlichen Post von Thurn und Taxis. Der Karel-Fron-Brunnen steht auf dem Marktplatz und wurde 1988 anlässlich der 700-Jahr-Feier errichtet; auf dem evangelischen Kirchplatz steht eine Plastik von Bertha Benz. Diese unterschiedlichen Zeichen verweisen auf Stadtleben, Verkehr und Erinnerung, ohne dass sie dieselbe historische Funktion erfüllen.
Besuche und Aktivitäten planen
Das Städtische Museum Wiesloch bietet individuelle Führungen für Kindergärten, Schulklassen und Gruppen auf Anfrage an. Als Öffnungszeiten sind sonntags 14 bis 16 Uhr angegeben; prüfen Sie die Zeiten vor Ihrem Besuch. Wer sich für Technik und Industriekultur interessiert, findet im Feldbahn- und Industriemuseum eine weitere Möglichkeit: An dessen Veranstaltungstagen können Besucherinnen und Besucher mit dem „Museumsbähnchen“ auf der rekonstruierten Feldbahntrasse durch das Grüne fahren. Prüfen Sie die Veranstaltungstage vor Ihrer Planung, denn die Fahrt ist an diese Tage gebunden.
Für eine andere Art des Aufenthalts laden die Weinberge im Südwesten Wieslochs zum Wandern ein. Das Freibad WieTalBad ist mit einer Öffnungszeit von Mai bis September angegeben; informieren Sie sich vor dem Besuch über die konkreten Termine. So lassen sich kulturelle Interessen und Aktivitäten im Freien bei der Planung unterscheiden, ohne für beide dasselbe Besuchsprogramm vorauszusetzen.
Wiesloch im übergeordneten Reiseziel Rhein-Neckar-Kreis
Auch im übergeordneten Reiseziel Rhein-Neckar-Kreis gibt es eigenständige kulturelle und landschaftliche Akzente. Das kurfürstliche Schwetzinger Schloss verfügt über ein Rokokotheater und einen weltberühmten Park. Im historischen Stadtkern von Ladenburg prägen Mittelalter und teilweise die römische Zeit bis heute große Teile des Stadtbildes. Außerdem liegen die Bergstraße und der östliche Teil des Rhein-Neckar-Kreises im Naturpark Neckartal-Odenwald. Diese Beispiele ordnen Wiesloch in einen größeren regionalen Rahmen ein, ohne die Besonderheiten anderer Orte mit denen Wieslochs gleichzusetzen.
Weitere Reiseziele entdecken: Spechbach, Bammental, Sinsheim, Brühl, Lobbach, Oftersheim, Laudenbach, Hirschberg an der Bergstraße.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Rhein-Neckar-Kreis.