Urlaub in der Mitte von Deutschland

Mittelpunkt Deutschland Die Geographische Mitte von Deutschland liegt im Drei-Bundesländereck von Hessen-Niedersachsen-Thüringen. Ein gebiet, das man eigentlich nur von der Durchreise kennt,
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Die Mitte von Deutschland ist eine Urlaubsregion, die (noch) gar keine ist. Rund um die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze im Drei-Bundesländer-Eck von Niedersachsen, Hessen und Thüringen liegt geographisch das deutsche Zentrum. Viel Natur, viel Geschichte und eine Reihe Überraschungen können Urlauber hier finden – wenn sie denn als Gäste kämen. Denn selbst erfahrene Deutschland-Urlauber kennen die Mitte von Deutschland meist nur von der Durchreise. Dabei lohnt sich ein genauer Blick nachhaltig.

Der Mittelpunkt von Deutschland

Ferien- oder Erlebnisparks wird man beim Mittelpunkt von Deutschland vermissen. Es geht um Geographie, nicht Kultur, Wirtschaft oder Politik. Trotzdem, oder gerade deshalb, ein echter Tipp für den Deutschland-Urlauber:

Gleich fünf Orte „streiten“ sich darum, der Mittelpunkt von Deutschland zu sein. Die Vielzahl der Orte ergibt sich allerdings nicht daraus, dass man nicht richtig rechnen kann, sondern aus unterschiedlichen Berechnungsarten. Vier der „Mittelpunkte“ liegen in Thüringen, einer in Niedersachsen.

Beim bekanntesten Mittelpunkt Deutschlands, der in Niederdorla (Gemeinde Vogtei), sieht man dann auch, dass es sich um mathematische oder geographische Berechnungen handelt. Der Markierstein liegt unter einer eigens angepflanzten Linde an einer Umgehungsstraße des Ortes, umgeben von Feldern und Grünflächen, einem Parkplatz und – auf der anderen Straßenseite – dem „Opfermoor“, einer vorchristlichen Kultstätte. Das obligatorische Foto mit dem Fingerzeig auf die Mitte Deutschlands gehört dann aber doch geschossen.

Das Grüne Band – der ehemalige Grenzstreifen

Grenzlandmuseum SchiffersgrundDas Gebiet war lange zweit geteilt: Die deutsch-deutsche Grenze schlängelte sich nach 1945 bis 1989 entlang der Grenze von Thüringen nach Niedersachsen und Hessen. Der Grenzstreifen war einstmals Todeszone zwischen zwei Deutschlands mit vielen persönlichen Schicksalen. Heute ist die Grenze Grün, alte Grenzzäune und –türme sind entfernt. Geblieben sind vereinzelt Freilicht-Museen, die die Geschichte lebendig halten – wie das Grenzlandmuseum Schifflersgrund bei Bad Sooden-Allendorf. Und ein grüner, manchmal ein paar hundert Meter breiter Streifen quer durch das wiedervereinigte Deutschland und darüber hinaus. Dieser Grenzstreifen wird „Das Grüne Band“ genannt und ist ein einzigartiger Naturraum, den man wunderbar erwandern kann.

Das Eichsfeld

Erzkatholisch und manchmal ein wenig verschroben, dabei sehr heimatverbunden mit alten Traditionen präsentiert sich das Eichsfeld. Das historische Eichsfeld ist nicht gleich dem thüringischen Landkreis Eichsfeld sondern eine historisch gewachsene Landschaft im südöstlichen Niedersachsen, im nordwestlichen Thüringen und im nordöstlichen Hessen zwischen Harz und Werra – also mitten im Zentrum von Deutschland.

Bemerkenswert ist sicher, das in keiner anderen Region außerhalb Bayerns das Thema Tourismus so eng mit Walfahrten, Klöstern und Prozessionen verbunden ist, wie im Eichsfeld.

Welterbe-Region: Naturpark Hainich und die Wartburg

Zwei Top-Attraktionen in der Rubrik „Welterbe“ liegen im Herzen von Deutschland – die Wartburg als UNESCO Weltkulturerbe und der Nationalpark Hainich, der gemeinsam mit anderen Buchwäldern ein UNESCO Weltnaturerbe ist.

Die Wartburg

Wenn es um ein historisches Zentrum von Deutschland ginge, wäre die Wartburg bei Eisenach schon ein guter Ort. Wie kaum eine andere Burg Deutschlands ist die Wartburg mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Martin Luther wurde hier versteckt, während er das Neue Testament der Bibel übersetzte, Johann Wolfgang von Goethe weilte hier, im Revolutionsjahr 1848 fand ein großes Wartburgfest statt. Bereits im 19. Jahrhundert galt die Wartburg als nationales Denkmal.

Nationalpark Hainich

Bergwipfelpfad Nationalpark HainichSeit 2011 zählt der Nationalpark Hainich zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland. Der Nationalpark liegt zu großen Teilen auf dem Gebiet ehemaliger Truppenübungsgebiete und hat mit etwa 50 km² die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands. Beeindruckend ist ein Baumwipfelpfad, seines Zeichens der erste seiner Art in Deutschland. Das Besucherzentrum zum Nationalpark wird von der Stadt Bad Langensalza betrieben und lohnt den Besuch wirklich.

Wandern, Radwandern, Kanuwandern – und Pilgern

Wer Deutschland erwandern will, der ist in Deutschlands Mitte hervorragend aufgehoben. Gleich mehrere Wanderrouten führen durch den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Im Werratal selbst liegen insgesamt 16 Premiumwege, die mit dem Deutschen Wandersiegel ausgezeichnet sind.

Fahrradrouten wie der Leine-Heide Radweg und der Unstrut-Radweg, der Werratal-Radweg oder die Werra-Fulda-Radrundtour stehen für unterschiedlich schwere Radtouren für Radwanderer. Wie es sich für das Eichsfeld gehört, gibt im Ortskern von Bodenrode sogar eine Katholische Radwegekirche.

Rund 200 Flusskilometer der Werra, die praktisch nur von Freizeitsportlern befahren werden, bieten schönste Möglichkeit für das Wasserwandern. Die Werra ist dabei Familiengeeignet, an Leihkanu-Stationen kann man sich Kanus ausleihen. Auch Pauschalreisen werden angeboten. Auf dem Seeburger See im Eichsfeld können auch Ruderboote gemietet werden. Mit Parabooten können auch Rollstuhlfahrer aufs Wasser.

Wer nach einem Wahrzeichen vom katholischen Eichsfeld sucht, findet dies sicher in seinen Wallfahrten und Prozessionen. Der Pilgerweg Loccum-Volkenroda führt mitten durchs Eichsfeld. Kaum ein Wochenende zwischen Mai und Oktober, an dem im Eichsfeld keine Prozession oder Wallfahrt miterleben kann. Für Pilger gibt es auf der Webseite vom HVE Eichsfeld Touristik e.V. ausgewiesene Pilgerunterkünfte.

Kuriose Erlebnisse im Zentrum von Deutschland

TrabiparadiesTrabiparadies Weberstedt: Der Mythos Trabant lebt in Gestalt zahlreicher exotisch anmutender Sonderaufbauten in der 900 qm großen ehemaligen KFZ-Halle der Nationalen Volksarmee der DDR. Und: Man kann auch einen Trabant-Kübel, eine Trabant 601 Limousine oder ein Trabant-Cabriolet ausleihen und damit auf Tour durch den Hainich gehen.

Kanonenbahn Draisinenfahrt: Auf einem Streckenabschnitt der stillgelegten „Kanonenbahn“ kann man mit Tretdraisinen rund 12 Kilometer Eisenbahngeschichte erleben. Vom Bahnhof Lengenfeld unterm Stein aus geht es über das Lengenfelder Viadukt, zwei weitere Viadukte und durch 5 Tunnel bis zum Bahnhof Küllstedt. Auch möglich. Die Fahrt mit der „Kanonenbahn“, einer Elektrodraisine. Nicht nur, das man nicht selbst strampeln muss: Der „Reiseführer“ weiß viele Geschichten zur Strecke zu erzählen.

Foto: Markus Lenk

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