Kassel entdecken: Bergpark, Kunst und Grimm-Erbe
Kassel verbindet europäische Gartenkunst mit der Geschichte der Brüder Grimm und einer vielseitigen Museumslandschaft. Für einen ersten Besuch lohnt es sich, Bergpark Wilhelmshöhe und Innenstadt als eigene Schwerpunkte zu planen: Zwischen ihnen liegen verschiedene Stadtteile und ein deutlicher Höhenunterschied.
Henschel Haus in Kassel
Foto: XenonX3 / Wikipedia, gemeinfrei
Bergpark Wilhelmshöhe: Landschaft und Herrschaft
Der Bergpark entstand ab 1696 nach einer Idee Landgraf Karls von Hessen-Kassel. Die dramatische Hanglage wurde Teil des Entwurfs: Kaskaden, Grotten, Aquädukt, Herkules und Schloss Wilhelmshöhe staffeln sich vom Höhenzug bis in den Talraum. Das UNESCO-Welterbe würdigt die Anlage als zusammenhängendes Beispiel europäischer Gartenkunst und als politische Bildsprache höfischer Herrschaft. Beim Durchwandern erleben Sie zugleich eine weiträumige Landschaft und eine Inszenierung fürstlicher Herrschaft.
Besonders anschaulich wird die Anlage bei den historischen Wasserspielen. Das Wasser folgt seit mehr als 300 Jahren einem technisch ausgeklügelten Gefälle vom Herkules in Richtung Schloss; die Strecke beträgt rund 2,3 Kilometer. Kaskaden, Aquädukt und Fontäne bilden Stationen eines Weges bergab, für den Sie Zeit und gutes Schuhwerk einplanen sollten. Unterkünfte in Kassel bieten einen Ausgangspunkt, wenn Sie Park und Innenstadt auf mehrere Etappen verteilen.
Karlsaue: der barocke Garten am Zentrum
Die Karlsaue zeigt einen anderen Gartentyp: Landgraf Carl ließ den barocken Garten als ebene Anlage nahe der Fulda gestalten. Weite Sichtachsen, Wasserflächen und die Orangerie schaffen einen ruhigen Gegenpol zum steilen Bergpark. Beide Anlagen gehen auf die Gartenpolitik der hessischen Landgrafen zurück, doch ihre Topografie verändert den Spaziergang grundlegend. Die Karlsaue lässt sich leichter mit dem Zentrum verbinden; Wilhelmshöhe ist ein eigenes Ausflugsziel mit längeren Wegen. Welterbestätten in Deutschland ordnen Wilhelmshöhe in eine Kulturreise ein.
Grimm-Erbe: Märchen und Sprachwissenschaft
Jacob und Wilhelm Grimm lebten zwischen 1798 und 1829 mit Unterbrechungen in Kassel. Hier arbeiteten sie an den Kinder- und Hausmärchen und an Grundlagenwerken der deutschen Sprachwissenschaft. Die handschriftlich ergänzten Kasseler Arbeitsexemplare der Märchen gehören seit 2005 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“. Der Bergpark steht für die Anerkennung einer gestalteten Kulturlandschaft, die Kasseler Märchen-Handexemplare für das Weltdokumentenerbe; die beiden Auszeichnungen erfassen damit unterschiedliche Zeugnisse von Kassels Geschichte.
Die GRIMMWELT vermittelt Leben und Werk der Brüder mit Originalen, künstlerischen Arbeiten und interaktiven Stationen. Neben Märchen geht es um Sammlungsprojekte, Deutsche Grammatik und das Deutsche Wörterbuch. Weitere Häuser und Sammlungen finden Sie im Überblick zu Museen in Deutschland.
Kunst und Stadtleben
In den Kunstsammlungen und Ausstellungen verschiedener Epochen begegnen Ihnen weitere Facetten von Kassels Geschichte und Gegenwart; Schloss Wilhelmshöhe verbindet dabei Kunstsammlung und Parkanlage. Im Zentrum liegen Wege zwischen Kulturhäusern, Plätzen und der Fulda. Wählen Sie lieber ein Museum als Ergänzung zu einem Parktag, statt mehrere weit auseinanderliegende Ziele in einen knappen Zeitplan zu pressen. Für einen Städtevergleich bietet sich Leipzig mit eigener Museums- und Kulturgeschichte an. Für städtische Besucherinformationen nutzen Sie das Tourismusportal der Stadt Kassel. So werden Kassels kulturelle Schichten sichtbar: höfische Landschaftsplanung, dokumentiertes Sprach- und Märchenerbe sowie Kunst im städtischen Alltag.