Rückblick: Ganz Deutschland im WM Fieber
Fußballfan oder Partymaus?
Historischer Rückblick: Dieser Beitrag dokumentiert den Stand zum ursprünglichen Veröffentlichungszeitpunkt. Termine, Zahlen, Personen, medizinische, rechtliche, politische und wirtschaftliche Aussagen sind nicht als aktuelle Hinweise zu verstehen.
Fußball ist in Deutschland mehr denn je im Fokus des öffentlichen Interesses: Dass sich so viele Deutsche offen zu ihren Farben und ihrer Nationalmannschaft bekennen, ist der WM 2006 zu verdanken. Und wenn man sich die Zahlen ansieht, scheint Deutschland ein Land voller Fußball-Fans zu sein.
Höhere Besucherzahlen bislang beim Public Viewing als vorher vermutet
Schon bei den Spielen der deutschen Elf gegen Australien und gegen Serbien war der Ansturm beim Public Viewing gewaltig: In München, Berlin, Köln und Hamburg nutzten mehr Fans das Angebot zum Public Viewing, als dies im Vorfeld vonseiten der Organisatoren vermutet und eingeplant wurde. So kamen in die Kölner Arena bei der Niederlage gegen Gruppengegner Serbien rund 33.000 Zuschauer. Beim entscheidenden Duell mit den „Black Stars“ aus Ghana am Mittwoch, 23.06.2010, werden wieder Zehntausende Fans zu den Public-Viewing-Plätzen in Deutschland strömen und das Spiel als Massenevent zu erleben.
Fußball-Fans - oder nur die Wartezeit bis zum nächsten Tokio-Hotel-Konzert überbrücken?
Wenn man sich die Bilder der begeisterten Massen ansieht, sind diese ähnlich wie während des „Sommermärchen“ im Jahre 2006, als Deutschland bei der WM als Gastgeber fungierte. Ganz Deutschland scheint sich für den Fußball zu begeistern. Aber ist das wirklich so?
Dem Verfasser dieser Zeilen als begeistertem Fußball-Fan kommen da so seine Zweifel: Sicherlich ist es schön auf der einen Seite, dass sich so viele Menschen für die WM interessieren – nur scheint es bei einigen „Fans“ mehr um das Event an sich zu gehen, quasi als Überbrückung bis zum nächsten Massen-Event. Davon zeugen zahlreiche Kommentare, die man beim Public Viewing zu hören bekommt: Fußball-Sachverstand ist nicht unbedingt flächendeckend beim Public Viewing in Deutschland vorhanden. Exemplarisch dafür sei ein Erlebnis des Verfassers von der Halbfinal-Niederlage 2006 gegen Italien genannt, als ihm nach dem Spiel eine Unbekannte mit den folgenden Worten Trost spenden wollte: „Ist doch halb so wild – dann werden wir halt nächstes Jahr Weltmeister!“
Christian Bathen
Foto: Christian Bathen
Datum: 20.06.2010